Interventionistische Linke Bielefeld

Tomasz Konicz Aufstieg und Zerfall des Deutschen Europa

Der Ausbruch der Eurokrise markiert die Geburtsstunde des »Deutschen Europa«, in der die drückende ökonomische Überlegenheit der BRD in einen politischen Führungsanspruch umgewandelt wurde. Merkel und Schäuble bestimmten den Kurs der europäischen Krisenpolitik, die sich weitgehend an den Interessen der deutschen Exportindustrie ausrichtete. Im Buch soll die Durchsetzung dieser rücksichtslosen Politik Berlins, die Europa entlang der Verwertungsinteressen des deutschen Kapitals transformierte, ebenso beleuchtet werden wie die verheerenden sozioökonomischen Folgen dieses deutschen Dominanzstrebens in der Peripherie der Eurozone. Dieses Buch ist folglich zuallererst eine Generalabrechnung. Es ist eine Abrechnung mit einem verhängnisvollen Großmachtstreben der deutschen Funktionseliten aus Politik und Wirtschaft, das eine erstaunliche langfristige Konsistenz aufweist und auf ein altes Ziel hinarbeitet, an dessen Realisierung Deutschland bereits zwei Mal scheiterte: das Erreichen einer deutschen Hegemonie in Europa. Eine Kernthese des Buches lautet daher: Die deutschen Funktionseliten unternehmen einen dritten historischen Anlauf, um die Position einer europäischen Hegemonialmacht zu erringen – wobei dieser dritte Griff nach der Macht in Europa mit ökonomischen Mitteln und Methoden, als eine Art Wirtschaftskrieg, geführt wird.

 

Dies ist ein sehr aktuelles Buch, das in verständlicher Sprache, aber mit viel Hintergrundinformation einen Beitrag zur Einschätzung der "deutschen" Rolle in Europa liefert.

 

 

Ausgabe 351 - iz3w

351 | Sex sells

Zwischen Akzeptanz und Stigma

Seit einigen Jahren tobt international eine heftige Debatte um Sexarbeit. die sich zwischen den Polen von Verbot und Ächtung versus Entkriminalisierung und Entstigmatisierung bewegt. In unserem Themenschwerpunkt werfen wir einen Blick nicht nur auf die Situation von SexarbeiterInnen in Ländern des Südens, sondern auch von MigrantInnen in Europa. Welche Auswirkungen haben restriktive Gesetze auf deren Lebensumstände? Welche Forderungen erheben SexarbeiterInnen und ihre Selbstorganisationen an Politik und Gesellschaft?

Es geht uns weder um die Idealisierung von Sexarbeit noch um ihre Dämonisierung, sondern um einen möglichst unvoreingenommenen Blick auf die Lage von SexworkerInnen und deren eigene Vorstellungen, wie sie sich verbessern ließe. Denn eines der Grundprobleme der extrem polarisierten Debatte ist, dass allzu oft viktimisierend über SexarbeiterInnen gesprochen wird statt auf Augenhöhe mit ihnen.

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Inhaltsübersicht

Hefteditorial
Bitterer Beigeschmack

 

Themenschwerpunkt: Sexarbeit

Sexarbeit: Eine globale Debatte
Editorial zum Schwerpunkt

Prostitution versus Sexarbeit
Worum geht es in den kontroversen feministischen Debatten?
von Carolin Küppers

Vom »Dirnenberuf« zur »Sexarbeit«
Die zwiespältige Geschichte des staatlichen Umgangs mit der sexuellen Arbeit
von Sonja Dolinsek

Das Unbehagen an der Prostitution
Sexpositiv? Ja, gerne. Frauen als Konsumprodukte? Nein, danke.
von Eva Gutensohn und Katrin Dietrich

»Sexarbeit ist eine feministische Handlung«
Interview mit der queeren Sexarbeiterin Emy Fem über den Kampf gegen Stigmatisierung

Der Zwang der Verhältnisse
Der europäische Kampf gegen Frauenhandel ist ein Krieg gegen MigrantInnen
von Mary Kreutzer

»Unglückliche Gewinnerinnen der Globalisierung«
Einblicke in die Lebens- und Arbeitsverhältnisse migrantischer Sexarbeiterinnen
von Maritza Le Breton

»Prostitution ist mit Gewalt verbunden«
Die Situation von Sexarbeiterinnen im Libanon
von Anna-Theresa Bachmann

Aufmerksamkeiten für schöne Männer
Ethnosexuelle Beziehungen in Ägypten unterlaufen die Geschlechterverhältnisse
von Anna-Theresa Bachmann

 

Politik und Ökonomie

Flucht I: »Losziehen kann auch sterben heißen«
In Mali organisieren sich Opfer der europäischen Abschottungspolitik
von Susanne U. Schultz

Flucht II: »Das soll Demokratie sein?«
Interview mit Alassane Dicko von der Association Malienne des Expulsés

Frauenrechte: »Es bleibt noch viel zu tun«
Gegen Gewalt gegen Frauen in Burkina Faso
von Renate Staudenmeyer und Irma Bergknecht

Myanmar: Happy Season für Mönche
In Myanmar werden muslimische Rohingya durch Buddhisten bedroht
von Dominik Müller

Kanada: Gewalt im Internat
Verbrechen an Kindern der First Nations
von Doro Wiese

Iran: »Sie trauen sich wieder«
Interview mit Ali Schirasi über die heutige iranische Studentenbewegung

Türkei: »Die unser Blut saugen«
Antisemitismus ist in der Türkei tief verankert
von Jan Keetman

Entwicklungspolitik: Das Paradox der Resilienz
Ein neues entwicklungspolitisches Modewort verhindert Ursachenbekämpfung
von Thomas Gebauer


Kultur und Debatte

Musik: Antisemitismus im »Zion Train«
Die internationale Reggae-Szene neigt zu seltsamen Ansichten
von Patrick Helber

Nachruf: Ohne Rückfahrkarte nach Venezuela
Mit Heinz R. Sonntag starb ein 68er, der zum Chávez-Kritiker wurde
von Nikolaus Werz

Comic: Kopfjäger mit Maschinengewehr
Die »Deutsche Südsee« im Comic
von Stefan Brocza und Andreas Brocza

 

 

Rezensionen

Mona Eltahawy: Warum hasst ihr uns so? Für die sexuelle Revolution der Frauen in der islamischen Welt
James Ferguson: Give a Man a Fish. Reflections on the New Politics of Distribution
Bernhard Jaumann: Der lange Schatten

Vogel, Steffen, Europa im Aufbruch

Europa ist in Aufruhr. Überall auf dem Kontinent protestieren Menschen gegen eine Politik, die Armut und Ungleichheit verschärft und die Demokratie missachtet. Sie fordern eine andere Antwort auf die Krise, ein soziales Europa und wehren sich gegen die Arroganz der Macht.
Aber können diese Proteste mehr erreichen, als Empörung und Wut auf die Straße zu tragen? Gelingt ihnen ein gesellschaftlicher Wandel ? möglicherweise sogar auf europäischer Ebene? Ein Anfang ist längst gemacht. Unerwartete Bu¨ndnisse zwischen den Generationen werden geschmiedet, korrupte Politiker mu¨ssen ihre Sessel räumen. Experimente in solidarischer Ökonomie entstehen, Netzwerke erproben die europäische Zusammenarbeit.
Das Buch geht dem Erfolg dieser Bewegungen und Initiativen auf den Grund. Es zeigt, wer den Protest trägt und warum. Dazu beleuchtet es Erfahrungen aus zahlreichen europäischen Ländern, von Island im Norden bis Spanien im Su¨den. Am Ende steht die Frage, welche Zukunft fu¨r Europa in diesen Protesten aufscheint ? und ob sie Wirklichkeit werden kann.
Steffen Vogel, geboren 1978 in Siegen, studierte Sozialwissenschaften in Bonn und Berlin. Von 2005 bis 2008 war er Redakteur der Wochenzeitung Der Freitag. Steffen Vogel lebt als freier Autor in Berlin und promoviert an der Humboldt-Universität.

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